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Ein Blick ins Elsaß, Oktober 2008


Für eine Veranstaltung am 5. Oktober 2008 warb die ACO (ACTION CATHOLIQUE OUVRIERE d’ALSACE) mit folgendem Text:

Ist es eine Utopie, ist es töricht zu glauben,
dass eine andere Welt möglich ist?

Man will uns glauben lassen, dass im Elsass alles gut geht.

  • Trotzdem werden hunderte von Arbeitnehmern entlassen (DMC, Weberei) – Matussière et Forest (Papierfabrik) – Alcatel (Telefonapparate) – Alplast (Kunststofffolien) – Peugeot motocycles (Mopeds) – Wimetal -…
  • Trotzdem merken wir, dass einige gutgehende Betriebe, entgegen ihrer wirtschaftlich guten Position, günstig verkauft werden
  • Trotzdem werden Arbeiter von Peugeot und Filialen der Automobil-Branche zur Kurzarbeit gezwungen, was eine Lohnminderung mit sich bringt
  • Trotzdem merken wir, dass die Zahl der Leute, die in Armut stecken, immer größer wird.

Man will uns glauben lassen, dass mehr zu arbeiten bessere Lebensbedingungen bringen wird.

  • Trotzdem werden wir immer zahlreicher, die wir uns begnügen müssen unsichere Arbeitsplätze oder Kurzarbeit anzunehmen.

Man will uns glauben lassen, dass die Zerschlagung der öffentlichen Dienste überhaupt keine Wirkung auf unser Leben haben wird.

  • Trotzdem merken wir, dass das Entgelt in diesen nahegelegenen Diensten (Schulen, Postämter, Spitäler, Gericht…) sich verschlechtert

Man will uns glauben lassen, dass Frankreich die Mittel nicht mehr besitzt um die Solidaritätssysteme, die Krankenkassen, die Renten und die Arbeitslosengelder zu bezahlen.

  • Trotzdem merken wir, dass gleichzeitig die „Bevorzugten“ weniger Beiträge bezahlen, aber im Gegenzug für uns die ärztlichen Kosten, Beihilfen und Altersrenten in Frage gestellt werden.

Man will uns glauben lassen, dass Auslagerungen, Umgestaltungen, Entlassungen für das Überleben der Betriebe unvermeidlich sind.

  • Trotzdem merken wir, dass die großen Industriekonzerne noch nie so viel Profit gemacht haben und, dass sich überall die Arbeits- und Lebensbedingungen in der Arbeiterwelt verschlechtern.

Man will uns glauben lassen, dass die freie Konkurrenz zu einem sozialen Gleichgewicht führt.

  • Trotzdem sehen wir, dass sich die Schere zwischen reichen und armen Menschen in der ganzen Welt vergrößert.

Man will uns glauben lassen, dass Frankreich das Vaterland der Menschenrechte ist.

  • Trotzdem werden Fremde verfolgt, verhaftet und wie Verbrecher ausgewiesen.

Man will uns glauben lassen, dass die fromme Wohltätigkeit die Gerechtigkeitsabwesenheit ersetzen kann.

  • Trotzdem wollen wir, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, seinen Lebensunterhalt selbst zu sichern.

Man will uns glauben lassen, dass es überhaupt keine Alternative zum welt-liberalen Kapitalismus gibt.

  • Trotzdem wissen wir, dass das nicht stimmt. Das Interesse einer Minderheit, die sich auf Kosten Millionen schlecht bezahlter, ausgenutzter, verachteter Männer und Frauen bereichert, ist es diese Lüge aufrecht zu erhalten.

Man will uns glauben lassen, dass die Solidarität zwischen Männer und Frauen in der Arbeitswelt ausgestorben ist.

  • Trotzdem sind wir Zeugen für verschiedene Kämpfe wo Arbeitnehmer für ein Recht auf mehr Würde einstehen.

Wir, Mitglieder der ACO aus dem Elsass, versammeln uns heute,
am 5. Oktober 2008,
mit all denen, die sich mit uns an einer gemeinsamen Aktion beteiligen,
wir weigern uns an diesen Fatalismus zu glauben,
mit dem man uns einsperren will.

Wir bezeugen unsere Solidarität mit allen Menschen, die unter den Konsequenzen des Profitrennens leiden.
Wir treffen die Wahl zu glauben, dass eine andere Welt möglich ist.
Wir sind überzeugt, dass wenn wir zusammenstehen, unsere Zukunft und die Zukunft der Welt verbessert werden kann.
Wir treffen die Wahl zu glauben, dass die Solidarität uns aus dieser bedrückenden Lage herausziehen kann. Jetzt schon, in unseren Verbänden und Vereinen, sind wir Zeugen und Tätige: Wir kämpfen mit den illegalen Asylbewerbern, wir wirken für die Schule, wir lehnen die Unsicherheit am Arbeitsplatz ab, wir verteidigen das Recht auf Arbeit…
Diesem System gegenüber, das dem Mensch seine Menschenwürde nimmt, treten wir entgegen mit dem Glauben dass die Brüderlichkeit eine Hoffnungs- und Zukunftsquelle für die Welt ist. Diese Hoffnung steht auf dem Grund der Botschaft Jesus Christi, der uns offenbart hat, dass wir alle Kinder von demselben Vater sind. Er hat der Gerechtigkeit vor der bestehenden Ordnung, der Liebe vor dem Gesetz Vorrang gegeben. Er schenkt uns die Freude zu glauben, dass sein Weg unser Lebensweg ist.

Alle Geschwister! Eine Utopie ? Eine Torheit ?
Also dann wollen wir Utopisten und Tore sein!
Und, miteinander treffen wir die Wahl:
Zu glauben, dass es wirklich das ist, was unsere Welt braucht.

ACTION CATHOLIQUE OUVRIERE d’ALSACE
17 rue de la Cigale – 68200 MULHOUSE
27 rue des Juifs 67081 STRASBOURG CEDEX

 

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